Ein Theo, neunzehn Protagonisten, eine tolle Frau und zu Fuß nach Polen

Es muss schon eine außergewöhnliche Erwartung vorliegen, wenn sich zehn Paare, die sich in aller Bescheidenheit zum gehobenen Bildungsbürgertum bekennen, aufmachen, um gemeinsam nach Berlin und Umgebung zu fahren. Im alten und neuen Berlin ist doch jeder schon mehrfach gewesen. Hier gibt es nur diese eine Erklärung: Wenn Theo ruft, sind wir dabei. Beinahe hätte ich der „Genius Theo“ geschrieben. Theo garantiert Lebensfreude und Wissen. Fontane und Kleist waren ganz sicher nicht unsere Motoren. Nein, bleiben wir dabei: Unser Freund Theo war der Impuls. Der vor kurzem mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnete Freund ist schon ein ganz besonderes Kaliber. Seine Art, Lockeres und Ernstes klug zu vermischen, zieht immer wieder in den Bann. Auch wenn es oft weh tut. Wenn Theo der Große oder der Alte Theo, angelehnt an Friedrich den Großen und den Alten Fritz,  immer wieder, selbst im Zustand der Ermattung, bebilderte Zettel mit anspruchsvollen Texten verteilt, diese ohne Gnade bei blühendem und glühendem Wetter, strapaziertem Stehvermögen und einer tiefen, unerfüllten Cappuccinolust bis ins Detail bespricht, ist die Überspannung des Bogens nicht mehr weit. Der Protokollführer erlaubt sich, Persönliches hinzuzufügen: Drei lebende Pfund aus Fleisch und Blut sind in Berlin geblieben. Hohlwangig, fast ermattet, aber überglücklich über diese spannenden Tage verließen wir unsere geliebte Bundeshauptstadt. Wie im alten Preußen scheinen Strenge und Pflicht die einzigen Mittel zu sein, aus uns bessere Menschen zu machen: nur ein geschundener Mensch ist zu gebrauchen!

„Das Glück ist heute gut gelaunt!“

Mit Dr. Theo bei Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich von Schiller und Hermann Hesse.

Unser Titel hätte auch so lauten können: Aufstand gegen die Ordnung! Unsere Literaten wollten die Autoritäten besiegen. Doch wir ließen uns nicht auf Finsteres ein. Wir setzten auf Glück und gute Laune. Egal, wie aufsässig unsere Gastgeber waren.

In Umwandlung des Gedankens, der wohl die Schönheit relativiert, sage ich: Das Wesentliche liegt im Auge des Schreibers. So stehe ich weniger unter Druck und meine Mühe wird gering sein, die Touren, Tage, Bilder, Daten  lückenlos in Reih und Glied zu bringen. Mein Interesse und Vermögen liegt nicht darin, eine kleine Geschichte im Sinne von Geschichte zu verfassen. Bei einer Rede bleiben oft weniger die Fakten hängen als die Geschichten zu den Fakten. Diesen Umweg erspare ich meinen Lesern und tummle mich gleich auf Nebenschauplätzen. So werden das Erlebte, unsere Gefühle, unser Miteinander, unsere Begeisterung, das Außergewöhnliche im Vordergrund stehen. 

Glückskinder on tour! Ein außergewöhnliches Erlebnis. Mit Theo in Sachsen-Anhalt, im Land der Burgen. Mit Theo in der Bronzezeit, bei Otto und Heinrich dem Ersten, bei Händel und Walther von der Vogelweide, in Kirchen und bei Fürsten, bei Luther und einer Gärtnerstochter, am 60. Jahrestag der Kapitulation, mit Freunden und Freundinnen.

Was für ein Ende dieser besonderen Tage! Wir waren zu Hause. Wir hatten die Koffer ausgepackt, die sauberen Sommersachen wieder in den Schrank gehängt und die wärmeren Textilien vor die Waschmaschine gelegt. Unsere Reise fand einen Abschluss, den Theo, unser Herzens- und Kulturfreund, Beglücker und Lehrer, nicht eingeplant haben konnte. Der aber großartig zum Schluss dieser Reise durch Sachsen-Anhalt passte. In der Sendung Christiansen diskutierten Richard von Weizsäcker, Marcel Reich-Ranicki und ein britischer Ex-Europaminister über den sechzigsten Tag unserer Befreiung oder Niederlage. Wie oft hatte Theo, weniger unser Gottes- als unser Club-Geschenk, den 8. Mai erwähnt.

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